Einzigartigkeit durch Vielfalt an Themen und Aspekten
Immer wieder ist zu hören, Latein sei ein stupides Lernfach, Wörter, Formen, Übersetzen, eine langweilige Angelegenheit, allenfalls zur Schulung des logischen Denkens geeignet. All das erweist sich im heutigen Lateinunterricht sehr schnell als Vorurteil, denn Latein bietet viel mehr, was hier in drei übergeordneten Bereichen dargestellt werden soll.
1. Latein bietet mehr: Wissen und Kompetenzen, um die Welt zu verstehen
Latein vermittelt kulturelle Grundbegriffe, die bis heute in den Bildern der Alltagssprache, in den Themen der Literatur und in der Kunst präsent sind. So wird durch Verständnis die Freude an Kunst und Kultur geweckt.
Im Lateinunterricht bietet sich mehr als in zeitgenössischen Fremdsprachen die Möglichkeit, eine fremde Kultur mit der eigenen zu vergleichen. Diese Kontrasterfahrungen bieten die große pädagogische Chance, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich durch Hinterfragen die eigene Gegenwart kritisch zu erobern.
Durch die Distanz der Antike bieten sich im Lateinunterricht vielfältige Möglichkeiten der objektiven Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Problemen in Deutschland und anderen Ländern. So kann Integration gefördert werden.
2. Latein bietet mehr: Grundlagenwissen für Sprachen
Aus dem Lateinischen lassen sich viele Vokabeln der romanischen Sprachen und auch des Englischen herleiten.
Auch den Grundstock der internationalen wissenschaftlichen Fachsprache in fast allen Disziplinen erwirbt man mit lateinischen Vokabeln.
Durch das Erlernen und Anwenden grammatischer Grundbegriffe (die aus dem Lateinischen stammen) gewinnen die Kinder einen Einblick in das Funktionieren von Sprache. So wird ihre Ausdrucksfähigkeit in der Muttersprache erhöht und gleichzeitig die Basis für ein rasches, systematisches Erlernen anderer Fremdsprachen gelegt.
3. Latein bietet mehr: Basis gymnasialen Lernens
Durch den hohen Wiedererkennungswert der überschaubaren Lernmenge werden Fleiß und Geduld (Grundvoraussetzungen jeden Lernens und Übens) schnell und dauerhaft durch motivierende Erfolgserlebnisse belohnt, da die Schüler beim Übersetzen die bekannten und intensiv geübten Schemata leicht erkennen. Indem auch die erforderlichen Lerntechniken trainiert werden, wird Latein auch zu einem Kernfach des Lernen Lernens.
Indem beim Übersetzen mit detektivischer Genauigkeit und Sorgfalt gearbeitet wird, schulen die Schüler ihre Konzentrationsfähigkeit und Lesekompetenz, deren Förderung immer wieder von der PISA-Studie angemahnt wird.
Der Lateinunterricht bietet also viel mehr Facetten als „nur“ Latein. Nicht zuletzt deshalb werden immer noch in vielen Studiengängen vor allem für den Master-Abschluss das Latinum, mindestens Lateinkenntnisse vorausgesetzt. Der Spracherwerb ist mit vielen anderen Aspekten des Lernens, Lebens und Reflektierens verknüpft, so dass ich abschließend meinen eigenen Lateinlehrer zitieren darf: „Im Lateinunterricht sind viele Goldmünzen zu finden, ihr müsst sie nur aufheben.“