Römerkastell Saalburg
Nach einer kurzen Fahrt in die Wälder nördlich von Frankfurt erreicht man das Römerkastell Saalburg, das eine hochinteressante Geschichte hat: Von den Römern Anfang des 2. Jh. n. Chr. als kleines Holzkastell errichtet, wird es mit Errichtung und Verstärkung des Limes im Jahr 135 n. Chr. erneuert und ausgebaut. Bald darauf erhält es eine Steinmauer als Umfassung. Knapp 150 Jahre später wird es allerdings bereits aufgegeben und verfällt. Im Mittelalter ist selbst der lateinische Name des Kastells in Vergessenheit geraten, die Mauern dienen als Steinbruch.
Wie kommt es, dass die Saalburg trotzdem so aussieht?
1723 kommt bei Abbrucharbeiten ein Stein mit einer Ehreninschrift für Kaiser Caracalla zum Vorschein, was die historisch interessierte Öffentlichkeit auf den Plan ruft. So wird das Kastell Gegenstand von Forschungen, bis gegen 1910 das gesamte Areal ausgegraben ist.
Schon am 18. Oktober 1897 verkündet Kaiser Wilhelm II, dass er die Wiederherstellung des Kastells auf der Saalburg zum Gegenstand des eigenen höchstkaiserlichen Interesses machen werde. So erfolgt im Rahmen eines prachtvoll gestalteten Römerfestes am 11. Oktober 1900 die Grundsteinlegung. Mithilfe der finanziellen Unterstützung durch den Kaiser und verschiedenste Sponsoren wurde das Kastell bis 1907 nach den damaligen archäologischen Erkenntnissen wieder aufgebaut.
Die moderne Archäologie würde, ausgehend von neuen Forschungsergebnissen, manches anders rekonstruieren. Einen Eindruck davon vermitteln die seit 2004 neu errichteten Bauten.
Was erwartet den Besucher? Hier einige Eindrücke...
Durch das Haupttor, die Porta Praetoria, gelangt man ins Innere des Kastells, wo in den wieder errichteten Gebäuden vielseitig gestaltete Informationen, Ausstellungen und Rekonstruktionen auf die Besucher warten. An vielen Stellen laden Stationen zum Ausprobieren und interaktiven Forschen ein. So ist ein umfassendes Bild vom Leben des römischen Militärs zu gewinnen.
Im Maßstab 1:2 hergestellt vermittelt der rekonstruierte Wachturm einen Eindruck vom Leben als Patroulliensoldat am Limes. Mehrere Wochen konnte ein Wacheinsatz ein einem solchen Turm dauern.
Ein schönes Beispiel für die Gebäude-Rekonstruktionen bietet ein Blick ins Innere des Fahnenheiligtums (Aedes), das den kultischen Mittelpunkt eines Lagers bildete.
Um einen Eindruck von Materialien und Alltagsgegenständen zu bekommen, gibt es einen eigenen Ausstellungsraum mit Hands-on-Stationen sowie Stationen mit römischen Spielen. Auch finden sich rekonstruierte Handwerksbetriebe (Schuster, Beinschnitzer), in denen die Zeit ebenso stehengeblieben zu sein scheint wie in der oben abgebildeten Offizierskammer.
Auf dem weitläufigen Gelände hinter den rekonstruierten Gebäuden laden Fundamente zum Entdecken ein. Auch eine Wanderung um die Kastellmauern zur Jupitersäule und zum Kastelldorf lohnen sich. Vorher sollte man es allerdings nicht versäumen, in der Taberna einzukehren, wo es neben modernen Gerichten auch nach antiken römischen Rezepten zubereitete Speisen und den römischen Würzwein Mulsum zu kosten gibt.
Nähere Informationen zu Anfahrt, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen finden sich auf der Homepage des Römerkastells Saalburg.